Der Pfad in den Job

Geschrieben von Karsten Roth am Samstag, 04 Februar 2012. zugewiesen zu Wissen kompakt, Wissen kompakt

Der Pfad in den Job

In den Job als Kraftfahrer führen verschiedene Wege. Vielfach hängt das von der Firma ab, bei der man sich bewirbt. Große Firmen sehen lieber eine komplette schriftliche Bewerbung, kleinere bevorzugen den direkten Kontakt. Wie man zu einem neuen Job als Kraftfahrer kommt, kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Vielfach ergibt sich das aus der Information über die Stelle und aus ergänzenden Informationen zu der Firma.

Welche Informationen sind für den Arbeitgeber wichtig?

Es gilt mit der Bewerbung auch die Interessendes potentiellen Arbeitgebers zu bedienen. Dieser möchte zuerst einmal feststellen, ob der Bewerber für die Tätigkeit als Kraftfahrer überhaupt geeignet ist. Da im Beruf des Kraftfahrers/der Kraftfahrerin nur wenige ausgebildet werden, steht die Ausbildung nicht im Vordergrund. Wichtiger sind die tatsächlichen Erfordernisse, wie die Fahrerlaubnis, der Besitz eines ADR-Scheins, liegt eine Fahrerkarte vor und liegen andere Erlaubnisse, welche für den Beruf notwendig sein könnten (z. B. Abfall, Lebendtiertransport, Luftfracht). Mittlerweile hat die Berufskraftfahrerqualifikation Bedeutung erhalten.

Mit diesen Angaben könnte man schon mal losfahren. Genau das war auch lange Zeit der Fall und dann kamen die Fahrzeuge beschädigt zurück. Um das zu vermeiden, wird sich der potentielle Arbeitgeber auch die Berufserfahrung anschauen. Maßgeblich sind hier die gefahren Fahrzeugklassen, die Anwendungen und die Gebiete. Darüber kann auch spezielles Wissen übermittelt werden, die vielleicht wichtig sind.

Kann der Bewerber fahren?

Für eine Weile forderten Transportunternehmer eine Fahrprobe; oft eine Runde über den Hof. Was der Arbeitgeber aus dieser Fahrt erkennen will, steht in Frage. Der Profi weiß wie unterschiedlich schwere Nutzfahrzeuge reagieren und man auf einer unbekannten Fahrzeugkombination keine repräsentativen Leistungen erbringen kann.

Zunehmend erfolgt diese Fahrprobe im praktischen Einsatz. Über ein bis drei Tage kann ein Fuhrunternehmer gut erkennen, wie es mit den Fertigkeiten des Fahrers/der Fahrerin bestellt ist. Die Arbeitsagentur unterstützt Praktika, die bis zu vier Wochen und manchmal sogar länger dauern. So lange braucht niemand, „seine“ Anwendung vorzustellen und die Fähig- und Fertigkeiten des/r Bewerber/in zu erkennen. In manchen Unternehmen wird diese Option sogar zur Überbrückung von Fahrermangel genutzt. Günstiger kann man an eine Arbeitskraft nicht rankommen. Dass Praktika von manchen Unternehmern ausgenutzt wird, weiß auch die Arbeitsagentur. Daher werden mittlerweile Informationen gesammelt und bei auffälligen Arbeitgebern die Praktika gar nicht erst erlaubt. Werden die Arbeitsagentur über die Praktika umfassend informiert, dann kann ein Missbrauch schneller festgestellt werden und Kollegen bleibt diese aussichtslose Tätigkeit erspart.

An ein Praktikum sollten ein paar Voraussetzungen gestellt werden. Das beginnt damit, dass eine Alleinfahrt erst zum Ende des Praktikums erfolgen sollte. Erst dann kann der zukünftige Arbeitgeber erkennen, ob der Bewerber den Job alleine ausüben kann. Bevor es losgeht, sollte auf jeden Fall ein Praktikumsplan vorhanden sein, aus welchem hervorgeht, was getestet und welche Informationen vermittelt werden sollen. Der Mentor sollte selbst umfassende Erfahrungen in der Anwendung haben und nicht erst letzte Woche eingestellt worden sein. Pädagogische Kenntnisse wären empfehlenswert, aber das kann praktisch kaum realisiert werden. Anhand von vorher festgelegten Kriterien muss der Praktikant objektiv bewertet werden können. Gerade in kleinen Teams wird eine Einstellung darauf abgestellt, ob der Bewerber/die Bewerberin sich in einfügt und dazu passt.

Wie öffnet man die Tür?

In vielen Firmen wird eine erste Kontaktaufnahme über das Telefon bevorzugt. Schnell können die wichtigsten Faktoren abgeglichen und ein Termin vereinbart werden. Hier kann man auch gleich klären, welche Informationen und Unterlagen gewünscht sind.

Andere Firmen haben eigene Bewerbungsformulare auf der Webseite oder wünschen zuerst einen Kontakt per Email. Wenige Unternehmen fordern eine vollständige schriftliche Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen.

Es gibt Leute, die unzählige schriftliche Bewerbungen losgeschickt haben und auf keine eine Antwort bekamen. Die erste telefonische Bewerbung führte dann direkt zur Einstellung.

Der schmale Grat

Auf dem Pfad in einen neuen Job gibt es viele Fallen zu umgehen. Zuerst ist es hilfreich, nur so viele Informationen zur Verfügung zu stellen, wie der zukünftige Arbeitgeber auch fordert. Manchen reicht gar zu wissen, dass die erforderliche Fahrerlaubnis und eine Fahrerkarte vorliegt. Andere wollen alles wissen.

Zwar wissen viele um die Kurzlebigkeit von Arbeitsverhältnissen in der Branche, aber dennoch stellt eine hohe Anzahl von Arbeitsstellen für viele Arbeitgeber ein Ausschlusskriterium dar. Hat man eine solide Ausbildung, reicht das durchaus für eine Ablehnung. „Sie sind zu qualifiziert.“ gehört anscheinend zu den Lieblingsaussprüchen von Transportunternehmern.

Ein gepflegtes Understatement hilft in der Branche mehr, als sich beweisen zu wollen.

Angaben nicht zu machen, sofern diese nicht abgefragt wurden, wirkt letztendlich immer noch günstiger, als bei der Bewerbung/Einstellung zu lügen. In dem Beruf trägt man eine hohe Verantwortung und erhält Kreditkarten, Telefon, Fahrzeuge und weiteres Equipment. Aus dieser Tatsache wird ganz schnell mal eine Kündigung wegen Falschangaben, die dann nicht mehr aus der Welt geschafft werden kann.

Die guten ins Töpfchen, die schlechten in Kröpfchen

Wie man einen schlechten Arbeitgeber erkennt, kann man nicht allgemeingültig erklären. Letztendlich hängt das auch davon ab, wie lange man selbst beabsichtigt, für ein Unternehmen tätig zu sein.

So können häufige Stellenausschreibungen ein Indiz für einen schlechten Arbeitgeber sein. Allerdings gibt es auch Unternehmen mit einer hohen Mitarbeiterfluktuation, die ganz korrekt das Arbeitsverhältnis abwickeln. Für eine Übergangszeit könnte so ein Unternehmen durchaus eine Alternative sein.

Manchmal macht es Sinn, sich einfach mal unter Kollegen umzuhören. Diese Informationen sind dennoch mit Vorsicht zu genießen. So gibt es Fahrer, die mit schwierigen Chefs gut auskommen und die Arbeit lieben, während andere keine drei Tage aushalten. Fährt jemand als Subunternehmer, kann es auch an der Spedition liegen, für die dieser fährt, was die Arbeit unbeliebt macht.

In der Praxis fangen viele Arbeitsverhältnisse positiv an und nach ein paar Wochen kann man sich dann nicht mehr „riechen“. Die Persönlichkeit aller Beteiligten spielt halt doch eine große Rolle.

Für die wirtschaftliche Stabilität können mehrere Indikatoren zu Rate gezogen werden, wobei diese auch mit Vorsicht zu bewerten sind. Der Zustand der Fahrzeuge und des Equipment stellen solche Faktoren dar. Werden die erforderlichen Sachen zur Verfügung gestellt oder muss man die selbst mitbringen? Gibt es Tankkarten und wie viele?

Letztendlich kann man eine Firma erst nach ein paar Tagen Tätigkeit näher erkennen. Wer sich unsicher ist, kann ein einwöchiges Praktikum anbieten und in dieser Woche näher hinschauen. In dieser Zeit erlebt man, wie die Firma arbeitet, wie der Umgangston ist und ob das Equipment in einem brauchbaren Zustand ist. Manchmal werden Zustände und Eigenheiten nicht im Vorstellungsgespräch angesprochen. Diese erfährt man in dieser Zeit. Das Gespräch mit den möglichen zukünftigen Kollegen stellt eine unverzichtbare Wissensquelle dar. Ein besseres Mittel, einen neuen Arbeitgeber kennen zu lernen, gibt es nicht.

Aussicht: Hat man einen Job gefunden, geht’s um den Arbeitsvertrag. In der nächsten Ausgabe gehen wir näher auf diesen ein.

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